Schlafstörungen – Erklärung und Massnahmen
Was ist der Schlaf?
Das Wort «Schlaf» kommt aus dem altgermanischen. «Schlafen» bedeutet ursprünglich «schlapp werden».
Schlaf ist ein aktiver Erholungsvorgang der Stoffwechselvorgänge im Gehirn. Er ist gekennzeichnet durch Bewusstseinsminderung bei jederzeitiger Erweckbarkeit durch Reize.
Allgemeines:
Schlafprobleme gehören zu den meistgenannten Beschwerden bei der Arztkonsultation. Die häufigste Form ist die Insonomie. Nicht- organische insonomien beinhalten zum einen einen Insonomien, die aufgrund einer psychischen Erkrankung z.B. einer Depression entstanden sind, zum anderen gibt es die eigenständige, primär psychogene Insonomie. Diese stellen die «klassischen» Schlafstörungen dar. Über eine Insonomie spricht man, wenn die Beeinträchtigung des Schlafes über einen Zeitraum von einem Monat, mindestens drei Mal pro Woche vor kommen und dadurch das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit am Tag gestört sind.
Wichtig: Bei alten Menschen ist es ein häufiges Problem, dass Sie zu früh ins Bett gehen. Der Normale Schlafbedarf bei Erwachsenen beträgt in der Regel sechs bis sieben Stunden, d.h. bei zu frühen Zubettgehen (ca.20:00Uhr) und Wachliegen ab drei Uhr Nachts, liegt keine Schlafstörung vor.
Seltener vorkommend sind:
- Hypersomnie: Zustand exzessiver Schläfrigkeit während des Tages oder das Auftreten von Schlafanfällen, sowie Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (Mangel an Synchronizität zwischen dem individuellen und dem erwünschten Schlaf-Wach-Rhythmus der Umgebung).
- Parasomnie: Abnorme, den physiologischen Schlafablauf unterbrechende Episoden mit meist vegetativer Begleitsymptomatik. Diese treten meistens in der Kindheit auf. Hierzu zählen: Schlafwandeln (Somnambulismus), Albträume, Nachtangst/Nachtschreck (Pavor nocturnus).
Unterschieden werden:
- Einschlafstörungen
- Durchschlafstörungen
- Morgendliches Früherwachen
Ursachen von Schlafstörungen:
- situativ: Umgebung, Zeitverschiebung
- psychoreaktiv: Ärger, Aufregung, Angst
- psychiatrisch: Depression, Psychose, organisches Psychosyndrom, Neurose
- neurologisch: Myoklonus, Restless legs, Schmerzsyndrom
- internistisch: kardial, pulmonal (Schlafapnoe), Pruitus, Inkontinenz
- pharmakogen: Alkohol, Drogen, Betablocker, Diuretika, Stimulanzien, Nootropika
Therapie:
Nachdem die organisch-symptomatischen Ursachen und psychiatrische Erkrankungen ausgeschlossen sind, sollte als erstes eine Aufklärung über die Grundlagen des Schlafes und eine Beratung zur Schlafhygiene erfolgen. Bestehen organische Erkrankungen, werden diese primär behandelt.
Zu den Schlafhilfen gehört unter anderem:
- Beseitigung der schlafstörenden Faktoren z.B. Lärm, vermeiden von Nikotin, Alkohol und Koffein vor dem Schlafen gehen
- Die optimale Schlafzimmerthemperatur liegt bei 16°C .
- Das Bett sollte den modernen orthopädisch-physiologischen Anforderungen entsprechen
- Das Bett nur für das nächtliche Schlafen benutzen, um die Konditionierung «Bett=Schlaf» nicht zu löschen.
- «Den Tag ausklingen lassen» also die physiologische Umschaltung von Spannung auf Entspannung ermöglichen.
- Für ausreichend körperliche Aktivität am Tag sorgen (besonders bei alten Menschen).
- Begrenzung des Schlafes den Tag durch um eine «natürliche Erschöpfung» am Abend zu ermöglichen.
Nicht medikamentöse Behandlung:
- Vermittlung von Grundlagen: Dauer und Tiefe des Schlafes, Schlafrhythmus, Schlafstruktur, Erholungsfunktion
- Regeln zur Schlafhygiene: Einhalten regelmässiger Schlafzeiten, Erzeugen angenehmer Schlafbedinungen, Verzicht auf Koffein, Alkohol und Nikotin, körperliche Bewegung, ausgewogene Ernährung
- Schlaf- und Traumtagebücher: Patient soll zur Selbstbeobachtung angeregt werden
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelrelaxion, autogenes Training, Yoga.
Verhaltenstherapeutische Ansätze:
„Einschlafstörungen sind häufig Abschaltstörungen“
- Schlafrestriktion: Begrenzung der Zeit, in der der Patient im Bett liegt mit schrittweiser Verlängerung
- Paradoxe Intention: Patient liegt entspannt im Bett, versucht bewusst die Augen offen zu halten und wach zu bleiben- dies führt zu schnellerem Einschlafen
- Einstellungsveränderung: durch die Bearbeitung von Konflikten und die Entwicklung von Bewältigungsstrategien soll der Schlaf aus dem Lebensmittelpunkt verschoben werden.
- Stimuluskontrolle: mit dem Einschlafen verbundene, negative Konditionierungen sollen aufgehoben werden, therapeutisches Prinzip ist die systematische Desensibilisierung
- Kognitive Fokussierung: Konzentration auf beruhigende und angenehme Gedanken
- Gedankenstopp-Training: Technik zur Behandlung nächtlichen Grübeln
Zu den Selbstkontrolltechniken gehört auch das Gedankenstopptraining. Das Ziel ist es, Grübeln zu unterbrechen und unerwünschte Gedanken zu blockieren. Der Patient wird gebeten, die Augen zu schliessen und sich auf seine störenden Gedanken zu konzentrieren. Sobald diese Gedanken präsent sind, muss er ein Zeichen geben, daraufhin ruft die Betreuende Person «Stopp» und klatscht in die Hände. Der Patient wird erschreckt zusammenzucken, die Augen öffnen und feststellen, dass sein Gedankengang gestoppt wurde. Der Patient kann seine Gedanken auch selber unterbrechen indem er sich selber stopp sagt und sich einen kräftigen Ruck gibt.
Psychotherapeutische Massnahmen:
Zu den psychotherapeutischen Massnahmen zählen Entspannungsverfahren sowie folgende Verhaltensregeln:
- Bei Schlafstörungen nicht passiv bleiben und sich unruhig im Bett wälzen, sondern «Ermüdungslesen» oder Aufstehen und sich aktiv beschäftigen.
- Keine Schlaferwartungsangst aufkommen und sich nicht durch physiologisch auftretende Veränderungen im Schlaf verunsichern lassen (z.B. Einschlafzucken, Körperbewegungen).
Verlauf:
Wenn sich die schlafstörenden Faktoren nicht reduzieren oder beseitigen lassen, dann besteht die Gefahr der Entwicklung einer chronischen Schlafstörung.
Die Gefahr der Chronifizierung besteht v.a. bei Dauereinnahme von Hypnotika. Wenn Schlafstörungen durch Erkrankungen bedingt sind, lassen sie sich meistens durch die Behandlung der Grunderkrankung beseitigen.
Quelle: Lehrbuch: Psychiatrie und Psychotherapie 3., überarbeitete Auflage